9.3 Qualitätsstufen deutscher Weine


Für deutsche Weine gilt grundsätzlich die "Qualität im Glas", d.h. für jede Qualitätsstufe ist ein natürliches Mindestmostgewicht festgelegt. Für die Einstufung ist also entscheidend, welche Oechslegrade bei der Lese erreicht werden.

Nachdem die Oechslegrade ein Maß für den natürlichen Zuckergehalt des Traubenmostes sind und der durch die Gärung erreichbare Alkoholgehalt des Weines von eben diesem Mostzucker abhängt, wird in der EU-Gesetzgebung das Mindestmostgewicht als "natürlicher Mindestalkohol" bezeichnet.

Hiernach ergibt sich die Klassifizierung in

1. Tafelweine

a) "Tafelwein" (in der untenstehenden Grafik mit TW abgekürzt)

Der Begriff "Tafelwein" ist infolge der Reform der Europäischen Weinmarktordnung - Verordnung (EG) Nr. 606/2009 vom 10. Juli 2009 - nicht mehr vorgesehen.
Lagerbestände dürfen noch vermarktet werden.

Aus Trauben der Jahrgänge 2009 und 2010 darf noch "Tafelwein" hergestellt werden; aus dem Jahrgang 2009 darf erstmals ein "Deutscher Wein" mit Jahrgangs- und/oder Rebsortenangabe nach den europäischen Vorschriften hergestellt werden. In beiden Fällen gelten die önologischen Vorschriften der obigen neuen Verordnung.

b) "Landwein" (LW)

2. Qualitätsweine "Qualitätswein" b.A. (= bestimmter Anbaugebiete)

3. Prädikatswein

mit den Abstufungen

Das für die jeweilige Qualitätsstufe angegebene Mindestmostgewicht stellt die absolute Untergrenze in der Weinbauzone A dar. Dies bedeutet, dass aus Mosten mit einem Mostgewicht unterhalb 44 Grad Oechle kein Wein bereitet werden darf (was im übrigen auch kein genießbares Produkt ergeben würde).
Tafelweine, Landweine und Qualitätsweine b.A. dürfen zur Erreichung eines notwendigen Alkoholgehaltes mit Zucker angereichert werden, nicht jedoch die Prädikatsweine.
Die Regierungen der weinbautreibenden Bundesländer sind berechtigt, diese Mindestanforderungen zu erhöhen.

Aus marktpolitischen Gründen wurden die oben genannten Qualitätsstufen in der Wein-Verordnung um die Begriffe "Classic" und "Selection" erweitert - die Zukunft wird zeigen, ob diese Typenweine vom Verbraucher angenommen werden.

 

Anforderungen für "Classic" und "Selection"

(Wein-VO i.d.F. vom 28.08.1998, zuletzt geändert durch VO vom 01.12.2000)

  Classic Selection
Voraussetzung nur Qualitätsweine. Bezeichnung: nur "Classic" ("Classic Kabinett" wäre z.B. verboten) nur Qualitätsweine. Bezeichnung: nur "Selection" (z.B. "Selection Spätlese" = verboten)
Rebsorten nur gebietstypische nur gebietstypische
Rebsorten-Angabe Nur 1 Rebsorte, in Verbindg. mit "Classic", z.B. "Riesling Classic". Ausnahme Wttbg.: "Trollinger und Lemberger Classic". Rebsortenbezeichnung und "Selection" dürfen getrennt stehen
Mengenbegrenzung (Hektarertrag) je nach Länder-Regelung max. 60 hl / ha
Leseart Handlese, Vollernter nur Handlese
Natürlicher Mindestalkohol 1%vol über dem für das Anbaugebiet vorgeschriebenen Absolutwert: 12,2 %vol
Gesamtalkohol mind. 12 %vol (11,5 %vol in Mosel-Saar-Ruwer) nicht festgelegt
Herkunftsangabe nur Anbaugebiet, nicht Lage, Gemeinde, Ortsteil, Bereich (Bereichsangabe kann von Landesregierung vorgeschrieben werden) Angabe der Einzellage obligatorisch
Jahrgangsangabe obligatorisch obligatorisch
Restzuckergehalt höchstens: Säure x 2, Obergrenze 15 g/l (Beispiel: RZ = 12 g/l erfordert mind. 6 g/l Säure) muss trocken sein ( RZ max. 4 g/l bzw. 9 g/l, wenn Sre.+2). Ausnahme Riesling: RZ max. 12 g/l (RZ max. Sre. x 1,5, Obergrenze 12 g/l)
Geschmacksangaben "trocken", "halbtrocken", "lieblich", "süß" = verboten. nicht zulässig (wie bei "Classic"). Ausnahme: bis 2003 "trocken" erlaubt.
gesonderte sensorische Prüfung nicht erforderlich frühestens am 1. Mai des Lese-Folgejahres auf "gebietstypisch", "nat. Mindestalk.", "max. 60 hl/ha", "RZ"
Abgabe-Sperrfrist nein keine Abgabe vor 1. September des Lese-Folgejahres