2.3 Botryits cinerea


 

Botrytis cinerea (Grauschimmel) kann sowohl große Schäden verursachen als auch ganz hervorragende Weißweine hervorbringen.
Rote Trauben mit Botrytis werden bei der Lese abgesondert und zur Rosee- oder Weißherbstherstellung verwendet.

Der Befall junger Triebe beeinträchtigt den nächstjährigen Austrieb und setzt die Veredelungsfähigkeit herab.
Wird das Stielgerüst der Trauben infiziert, fallen ganze Trauben ab.
Stielbotrytis
 

Fotos (2): Syngenta

Der Befall von Beeren hat je nach Reifestadium verschiedene Auswirkungen:
  1. Roh- oder Sauerfäule bei Befall unreifer Beeren, die noch wenig Zucker haben. Der Zuckerverbrauch wiegt hier ungleich schwerer als die Säureverminderung.
  2. Edelfäule bei Befall reifer Beeren mit optimalem Zuckergehalt. Die Zellen der Beerenhaut sterben ab, Wasser diffundiert leichter nach außen, Traubensaft wird konzentriert; Zucker nimmt zu, Säure ab. Hohe und höchste Mostgewichte (bis über 300 °Oe). Diese Eigenschaften haben u.a. den Weltruf deutscher Weißweine begründet, v.a. des Rhein-Rieslings.
  3. Schwundfäule bei befallenen reifen Trauben, auf die Regen fällt. Durch die porösen Beerenhäute dringt Wasser ein und senkt das Mostgewicht; außerdem besteht erhöhte Fäulnisgefahr ("Nass-", "Roh-" oder "Sauerfäule").
Botrytisbefall unreifer Trauben


Edelfaule Moste vergären aufgrund ihres hohen Zuckergehaltes meist nur schleppend und selten vollständig. Beeren- und Trockenbeerenauslesen haben oft noch Zuckerreste von über 100 g/l bei Alkoholgehalten von unter 10 %vol.
Charakteristische Stoffwechselprodukte sind Glycerin und Gluconsäure (normale Weine: Glycerin 8 - 10 g/l, i.d.R. ca. 1/10 des Alkoholgehaltes. Weine aus edelfaulen Trauben bis über 30 g/l).

Die Weine haben kaum ein sortentypisches Bukett, sondern ein ausgeprägtes "Edelfäulebukett".

Aufgrund des hohen Risikos wird die Botrytis meistens mit Fungiziden bekämpft.