D. Likörwein, weinhaltige, aromatisierte und weinähnliche Getränke


1. Likörwein und Likörwein b.A.

EG-VO Nr. 1493/1999 vom 17.05.1999 (Art. 44 Abs. 1, Anh. IV, V, VI u. VII)

natürlicher Alkohol mindestens 12,0 %vol
vorhandener Alkohl mindestens 15,0 %vol

höchstens 22,0 %vol

gesamter Alkohol mindestens 17,5 %vol
(ohne Höchstgrenze)
SO2 150 mg/l, wenn Restzucker < 5 g/l

200 mg/l, wenn Restzucker > 5 g/l

Die EU-Mitgliedsländer können zulassen:
- die Verwendung von Calciumsulfat (CaSO
4 = Gips) , wenn dadurch der Sulfatgehalt des Erzeugnisse 2,5 g/l, als Kaliumsulfat berechnet, nicht übersteigt
- die Säuerung mit Weinsäure bis zu 1,5 g/l

 

Likörwein und Likörwein b.A. können hergestellt werden aus: erlaubte Zusätze:
a) teilweise gegorenem Traubenmost oder

b) Wein oder

c) einer Mischung aus a) und b)

a) neutraler Alkohl aus der Weindestillation, mindestens 96 % vol

b) Destillat aus Wein, mindenstens 52 %vol und höchstens 86 %vol

 

Beispiele:

ungarische Likörweine Szamarodny, Tokayer und Ruster Ausbruch, Tokayer Essenzen
spanische Likörweine Malaga, Sherry, Tarragona, Murcia, Alicante
portugiesische Likörweine Port, Madeira
italienische Likörweine Marsala, Calabrese, Zucco, Albanello u.v.a.
griechische Likörweine Samos, Vino Santo
andere Likörweine  
Rosinenweine  

 

2. Weinhaltige Getränke

Abweichend von den Regelungen für Wein, Schaumwein, Perlwein und Likörwein besteht für die weinhaltigen Getränke keine EU-Rechtsvorschrift; gesetzliche Regelung sind den einzelnen Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft vorbehalten. (Ausnahme: Aromatisierte Weine, für die die VO [EWG] 1601/91 vom 10.06.1991 gilt)

In Deutschland gilt als Grundlage für die Herstellung der weinhaltigen Getränke das Weingesetz (WeinG) vom 08.07.1994, zuletzt geändert durch Gesetz vom 17.05.2000.

Nicht die Herkunft, sondern sondern das Land der Produktion ist maßgeblich. Für ein inländisches (deutsches) Getränk dürfen also z.B. französischer Wein, spanischer Likörwein und auch Drittlandserzeugnisse verwendet werden.

Aus § 2 Nr. 2 WeinG ergibt sich:

Arzneiweine sind keine weinhaltigen Getränke; sie werden nach den Vorschriften des Deutschen Arzneimittelbuches hergestellt (z.B. Pepsin-, Condurango-, China- und Kampferweine)

Beispiel:
Schorle ("Weinanteil" mit kohlensäurehaltigem Wasser). Hierbei kann neben der Bezeichnung "Schorle" auch "weinhaltiges Getränk" angegeben werden, muss aber nicht.

 

3. Aromatisierte Getränke

Die VO [EWG] 1601/91 vom 10.06.1991, ergänzt durch VO 122/94 vom 25.01.1994, unterscheidet drei Arten von aromatisierten Getränken, die überwiegend aus Wein bestehen:

  1. aromatisierter Wein
  2. aromatisierte weinhaltige Getränke
  3. aromatisierte weinhaltige Cocktails
  Aromatisierter Wein
(= Wein-Aperitif)
Aromatisiertes weinhaltiges Getränk Aromatisierter weinhaltiger Cocktail
Alkoholzusatz ("aufspriten") erlaubt

ja

nein

nein

vorhandener Alkohol mindestens 14,5 %vol

höchstens 22,0 %vol

mindestens 7,0 %vol

höchstens 14,5 %vol

höchstens 7,0 %vol
gesamter Alkohol mindestens 17,5 %vol
mindestens 16,0 %vol ("trocken")
mindestens 15,0 %vol ("extra trocken")

(ohne Höchstgrenze)
nicht festgesetzt nicht festgesetzt
Weinanteil mindestens 75 % mindestens 50 % mindestens 50 %

 

zu 1. aromatisierter Wein:
Gleichbedeutend ist der Begriff "Wein-Aperitif"; die frühere Bezeichnung "weinhaltiger Aperitif" ist nicht mehr zulässig.
Die Aromatisierung ist nur mit natürlichen Aromastoffen und/oder natürlichen Aromaextrakten zulässig.
"Kräuterwein" oder "Wermutwein" bzw."Wermut" sind sogenannte Ersatzangaben, die die Bezeichnung "aromatisierter Wein" ersetzen dürfen.

Beispiele für aromatisierte Weine:
- Bitterer aromatisierter Wein, z.B. "Wein mit China-Rinde", "Bitter vino" (Enzian-Aroma), "Americano" (Enzian, Beifuß)
- aromatisierter Wein mit Ei (u.a. "Cremovo zabaione"

zu 2. aromatisierte weinhaltige Getränke:
Aromatisierung mit Hilfe natürlicher Aromastoffe und/oder Aromaextrakte bzw. naturidentischer Aromastoffe und/oder Aromaextrakte.

Beispiele

Sangria: (Spanien, Portugal), mit Zitrusfrucht-Extrakten oder -essenzen, evtl. mit -Saft. Ggf. mit Gewürzen, gesüßt, CO2, vorh. Alkohol höchstens 12 %vol. "Sangria" ersetzt "aromatisiertes weinhaltiges Getränk" nur bei Herstellung in Spanien oder Portugal.

Clarea: Aus Weißwein, gleiche Bedingungen wie Sangria. Ersatzname "Clarea" nur bei Herstellung in Spanien

Zurra: Wie Sangria oder Clarea, mit Brandy/Weinbrand oder Branntwein. Evtl. Zusatz von Fruchtstücken. Vorhandener Alkohol mindestens 9 %vol, höchstens 14 %vol.

Bitter Soda: Getränk aus mind. 50 % Bitter vino. Vorhandener Alkohol mindestens 8 %vol, höchstens 10,5 %vol.

Kalte Ente: Mischung von Wein, Perlwein und Schaumwein (letztere auch mit zugesetzter Kohlensäure) unter Zusatz von natürlicher Zitrone oder deren Extrakte. Schaumweinanteil im Fertiggetränk mindestens 25 %.

Glühwein: auschließlich aus Rotwein oder Weißwein, hauptsächlich mit Gewürznelken aromatisiert. Wenn aus Weißwein, muss Bezeichnung "Glühwein aus Weißwein" lauten. Auf Rotwein-Grundlage genügt "Glühwein".

Maiwein: Wein mit Waldmeister-Zusatz (asperula odorata)

Maitrank: trockener Weißwein mit Waldmeister oder -extrakt. Zusatz von Orangen und/oder anderen Früchten, ggf. in Saft-, Konzentrat- oder Extraktform. Höchstens 5 %-ige Zuckerung erlaubt.

 


 

Angabe des Zuckergehalts bei aromatisierten Weinen und aromatisierten weinhaltigen Getränken:

Bezeichnung Zuckergehalt (als Invertzucker)
extra trocken weniger als 30 g/l
trocken weniger als 50 g/l
halbtrocken zwischen 50 und 90 g/l
lieblich zwischen 90 und 130 g/l
süß über 30 g/l

Die Angaben "lieblich" und "süß" können durch eine Angabe in g/l ersetzt werden.

Umfasst die Verkehrsbezeichnung für aromatisierte weinhaltige Getränke die Bezeichnung "Schaum-", so muss der Schaumweinanteil mindestens 95 % betragen.

 

zu 3. aromatisierte weinhaltige Cocktails:

Weinhaltiger Cocktail:
- konz. Traubensaft < 10 % des Fertiggetränks,
- Zucker < 80 g/l (als Invertzucker berechnet)

Aromatisierter Traubenperlmost:
- ausschließlich aus Traubenmost
- vorhandener Alkohol < 4 %vol
- Kohlensäure ausschließlich aus Gärung der verwendeten Erzeugnisse

 

4. Weinähnliche Getränke

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(noch nicht ausgearbeitet)